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  DIE TORGAUER HÄFTLINGSURNEN
   
 


4.Oktober 2005

Ordensverleihungen zum Tag der Deutschen Einheit

Bundespräsident Horst Köhler hat am 4. Oktober 2005, dem 15.Jahrestag der Deutschen Einheit, den ehemaligen politischen Häftling Benno Prieß mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In der Begründung heißt es:
"Der Vorsitzende des Waldheim-Kameradschaftskreises, einer Vereinigung von SED-Opfern, hat sich mit großem persönlichem Engagement durch Publikationen und Veranstaltungen um die Aufklärung der Öffentlichkeit über politische Verfolgung in der SBZ/DDR und deren Opfer verdient gemacht. Durch ihn wurden erstmals die Massenverhaftungen von Jugendlichen 1945/46 in der SBZ aufgezeigt. Seinen Initiativen ist es zu verdanken, dass von den russischen Behörden nachträglich viele Jugendliche rehabilitiert wurden. Durch die Errichtung von Gedenktafeln und Grabsteinen hat er den fast vergessenen Opfern ihre Identität wiedergegeben."


Kein auszeichnungswürdiges Verhalten von Halles Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler seit weit mehr als einem Jahr
Stellungnahme von Wolfgang Stiehl, Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und des Bundes der Stalinistisch Verfolgten (BSV):

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler, sehr geehrte Damen und Herren Fraktionsvorsitzende der demokratischen Parteien,
die Nachricht von der Auszeichnung unseres Kameraden Benno Prieß, Mitinitiator der "Torgauer Urnen"-Grabanlage inklusive INFO-Tafel veranlasst uns einmal mehr, eine E-Mail
in die "Hallesche Schweigeversenkung" zu senden […] Zu den Aktivitäten unseres gerade mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Kameraden Benno Prieß gehört auch die Herausfindung der Namensliste der nach dem Willen der kommunistischen Machthaber namen- und pietätlos auf dem Gertraudenfriedhof in Halle verscharrten Asche der Toten aus dem Zuchthaus Torgau in den Jahren 1950-53 und seine Anstöße zu einer würdigen Umsetzung der Urnen. Auf der Basis dieser Namensliste, aufgefundener Aufzeichnungen des ehemaligen Friedhofschefs und vielfältiger Initiativen von Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen erhielten alle 117 Urnen eine würdige Umsetzung und Grabanlage. Wir berichteten mehrmals in der FG ["Freiheitsglocke", Zeitschrift der VOS - Anm.] darüber - wie auch über die Verleumdung aller 117 Toten als "allesamt Kriegsverbrecher nationalsozialistischer Prägung" durch die LINKE.PDS im vergangenen Jahr. Mittlerweile legte auch das Verwaltungsgericht in seiner Urteilsbegründung zu unserer Forderung der Wiederanbringung der INFO-Tafel eindeutig dar, dass es sich unbestritten um Opfer kommunistischer Gewalt handelt und die Grabanlage damit dem Gräbergesetz entspricht.
Dass Frau OB Häusler der haltlosen Verleumdung durch linke Kräfte aus lauter Angst vor einer angedrohten Pressekampagne unter dem Titel "Stadt Halle ehrt ihre Kriegsverbrecher" nachgab und den gemeinsam formulierten INFO-Text "vorsorglich entfernen" ließ, ist ja vielleicht noch, wenn auch schwer (weil durchweg auf unbewiesenen Anschuldigungen basierend), zu verstehen.
Dass aber aus der Stadt Halle - unseres Wissens nach - auch nicht ein einziger der vielen hundert Protestschreiber aus Kreisen von Wissenschaftlern, Opfervertretern, Parteigremien und anderen am Thema interessierten Bürger eine Antwort erhielt und auch unser Angebot der Veröffentlichung einer Sammelantwort in unseren Zeitschriften brüsk ignoriert wurde, lässt unsere obige Überschrift mehr als gerechtfertigt erscheinen.
Wir fragen uns besorgt, wie lange müssen alle Protestschreiber (gemeinsam mit dem für seine Aktivitäten ausgezeichneten Benno Prieß) noch auf eine Antwort aus dem Halleschen Rathaus warten? Wie lange darf die Totenruhe noch gestört bleiben? Bisher landeten alle Schreiben in der gleichen "Halleschen Schweigeversenkung", so wie damals alle Kameradinnen und Kameraden in den "Schweigelagern" (mehr als ein Drittel für immer) verschwanden. […]
Dennoch die Hoffnung auf eine Antwort für die vielen Protestschreiber und auf die Wiederherstellung der INFO-Tafel nicht aufgebend,
verbleiben wir mit freundlichen Grüßen im Namen von VOS und BSV

Wolfgang Stiehl