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  DIE TORGAUER HÄFTLINGSURNEN
   
 


Mitteldeutsche Zeitung Halle, 21.11.2005

Opferverbände kritisieren Häußler

Halles Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler (SPD) sieht
sich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde konfrontiert. Initiatoren
sind der Bund der Stalinistisch Verfolgten und die Vereinigung der
Opfer des Stalinismus. Der entsprechende Antrag liegt nach Auskunft
der Absender seit Donnerstag dem Landesverwaltungsamt in Halle vor.
Die Opfer-Verbände begründeten ihr Vorgehen in einem Schreiben, das
sie am Sonnabend während einer Gedenkveranstaltung dem
Bundestagsabgeordneten Christoph Bergner (CDU) und dem
Landtagsabgeordneten Thomas Felke (SPD) übergaben. Weder Häußler
noch die Aufsichtsbehörde waren am Wochenende für Stellungnahmen zu
erreichen.
Die Dienstaufsichtsbeschwerde steht im Zusammenhang mit einem
umstrittenen Gräberfeld auf dem halleschen Gertraudenfriedhof. Dort
hatte die Stadt im vergangenen Jahr eine Grabplatte entfernen
lassen, mit der die Stalinismus-Opfer an die Toten von Krieg und
Gewaltherrschaft erinnern wollten. Hauptpunkt der Auseinandersetzung
war und ist ein Streit um die Vergangenheit der insgesamt 117 Toten,
unter denen sich nach anderen Darstellungen auch mutmaßliche
Kriegsverbrecher befunden haben sollen.
Opfer-Sprecher Johannes Rink über den Auslöser der
Dienstaufsichtsbeschwerde: "Wir haben Frau Häußler viele Briefe
geschrieben und auch Kompromissbereitschaft signalisiert, nie kam
eine Antwort von ihr." Das sei angesichts der brisanten Problematik
unwürdig. Allerdings passe dazu, wie die Stadt Halle mit im
Gefängnis "Roten Ochsen" aufgefundenen Gebeinen umgehe. Diese seien
laut Rink erst kürzlich - ohne jede Rücksprache mit den
Opferverbänden - "auf dem Gertraudenfriedhof verscharrt worden."
Die Grabanlage ist Thema einer Tagung des Vereins Zeit-Geschichten
(Telefon 0345 / 203 6040) am 1. Dezember in Halle. Unter anderem
sollen mit Historikern das Wirken von Sowjetischen Militärtribunale
nach 1945 und Möglichkeiten der Rehabilitierung erörtert werden.