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DIE EREIGNISSE IN HALLE

6.00 Uhr
Seit Beginn der Frühschicht kommt es in der Lokomotiven- und Waggonfabrik Ammendorf (LOWA) zu Diskussionen. Anlass sind willkürlich verfügte Normerhöhungen und der Streik der Berliner Bauarbeiter.
8.30 Uhr
Auf einer Kundgebung in der LOWA fordern Redner die Herabsetzung der Normen, die Senkung der Preise in den staatlichen HO-Läden sowie den Sturz der Regierung.
9.30 Uhr
Etwa 2000 Arbeiter marschieren auf der Stalinallee (heute Merseburger Straße) in Richtung Stadtzentrum.
11.45 Uhr
Der Demonstrationszug, der durch Arbeiter aus weiteren Betrieben auf 8000 Teilnehmer angewachsen ist, erreicht den Thälmannplatz (heute Riebeckplatz). Eine Gruppe junger Arbeiter versucht, in den Sitz der SED-Stadtleitung einzudringen, was der Wachschutz durch Pistolenschüsse verhindert.
12.30 Uhr
300-400 Demonstranten stürmen die SED-Bezirksleitung am Marx-Engels-Platz (heute Steintor). Transparente und Propagandamaterialien werden auf die Straße geworfen. Mehrere Polizisten werden verletzt. Die SED-Funktionäre ziehen sich in die obere Etage zurück.
12.30 Uhr
Mehrere hundert Demonstranten fordern an der Haftanstalt in der Kleinen Steinstraße die Freilassung politischer Häftlinge.
13.00 Uhr
Ca. 800 Demonstranten besetzen den Rat des Bezirkes in der Willy-Lohmann-Straße.
13.00 Uhr
Jugendliche dringen in die SED-Stadtbezirksleitung West im Marktschlösschen ein und werfen Akten und Büromaterial auf die Straße.
13.15 Uhr
Sämtliche Geschäfte schließen „wegen der Unruhen”.
13.15 Uhr
Sowjetische Soldaten postieren sich am Ratshof.
13.30 Uhr
Als die Aufständischen zum Zellenhaus der Strafvollzugsanstalt Kleine Steinstraße vordringen, treibt sie die Wachmannschaft mit gezielten Schüssen zurück. Ein Arbeiter wird schwer verletzt.
13.35 Uhr
Vier Studenten besetzen das Verkehrspostenhaus am Reileck und rufen durch die Lautsprecheranlage zu einer friedlichen Demonstration um 18 Uhr auf dem Hallmarkt auf.
14.00 Uhr
Auf dem Hallmarkt konstituiert sich das „Zentrale Streikkomitee”.
14.15 Uhr
Eine Abordnung der Aufständischen erzwingt in der Staatsanwaltschaft eine Vollmacht zur Freilassung aller politischen Häftlinge.
14.15 Uhr
Im Auftrag des Streikkomitees wird ein Lautsprecherwagen requiriert, der bis 16.30 Uhr (Verhaftung der Besatzung durch Staatssicherheit) unterwegs ist.
14.15 Uhr
Schießbefehl für alle Polizeikräfte im Bezirk Halle.
14.30 Uhr
Ein LKW drückt das Haupttor des Zuchthauses „Roter Ochse” am Kirchtor auf. Die Aufständischen stürmen auf den Hof und werden von der Wachmannschaft beschossen. Vier Menschen sterben, weitere werden z.T. schwer verletzt.
14.50 Uhr
Volkspolizisten besetzen die Postämter und schließen sie.
15.15 Uhr
Aufständische dringen in das Zellenhaus der Haftanstalt Kleine Steinstraße ein. Im Tumult lässt der Gefängnisleiter sämtliche Zellen aufschließen.
15.15 Uhr
Die ersten von Manövern zurück befohlenen sowjetischen Truppen treffen in Halle ein.
15.15 Uhr
Polizisten beenden die Besetzung der SED-Bezirksleitung.
15.30 Uhr
KVP-Truppen räumen den Rat des Bezirkes.
16.00 Uhr
Alle 245 Gefangenen haben die Haftanstalt Kleine Steinstraße verlassen.
16.00 Uhr
Sowjetische Panzer vertreiben die Aufständischen vor dem Zuchthaus „Roter Ochse”.
16.00 Uhr
SED-Politbüromitglied Fred Oelssner übernimmt die Leitung bei der Niederschlagung des Aufstandes.
17.00 Uhr
Zwei sowjetische Panzer postieren sich auf dem Marktplatz.
18.00 Uhr
Großkundgebung auf dem Hallmarkt. Trotz Straßensperren kommen ca. 60.000 Menschen. Das "Zentrale Streikkomitee" verkündet nochmals die Streikforderungen und ruft für den 18. Juni zum Generalstreik auf.
18.30 Uhr
Im Stadtgebiet wird durch 1.500 Plakate und 10.000 Flugblätter der Ausnahmezustand bekannt gemacht.
18.45 Uhr
Zum Abschluss der Kundgebung auf dem Hallmarkt singen die Menschen das Deutschlandlied. Panzer rollen über den Platz und vertreiben die Demonstranten.
19.15 Uhr
Ca. 2500 Demonstranten erreichen den Thälmannplatz. Einen erneuten Angriff auf die SED-Stadtleitung wehrt die VP mit Schüssen ab. Ein Passant wird erschossen.
20.15 Uhr
Die Mehrheit der Demonstranten zieht über Steintor und Reileck zum Robert-Franz-Ring. An der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit wird auf die Demonstranten geschossen. Ein junger Arbeiter stirbt. Der Demonstrationszug löst sich auf.
21.00 Uhr
Streifen von Sowjetsoldaten und VP verhaften von nun an jeden Bürger, den sie auf der Straße antreffen. Polizisten gehen mit Bajonetten und Gewehrkolben gegen die Menschen auf dem Marktplatz vor.
21.30 Uhr
Die nächtliche Ausgangssperre ist durchgesetzt.

(Nach einer Vorlage von Dr. H.-P. Löhn bearbeitet von Udo Grashoff.)